Band 16: Regionale und interkommunale Kooperation zur Sicherung der Daseinsvorsorge – Strukturen und Potentiale dargestellt am Beispiel der Region Hesselberg

AzR

Arbeitspapiere zur Regionalentwicklung – Elektronische Schriftenreihe des Lehrstuhls Regionalentwicklung und Raumordnung (E-Paper) – Band 16

Franziska Reutter
Regionale und interkommunale Kooperation zur Sicherung der Daseinsvorsorge –Strukturen und Potentiale dargestellt am Beispiel der Region Hesselberg

Der demographische Wandel mit den Schlagworten „weniger, älter, bunter“ gefährdet zunehmend die Tragfähigkeit von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge und damit die Lebensqualität insbesondere in strukturschwachen ländlichen Räumen. Kommunen stehendeshalb vor der Herausforderung, sich bereits heute mit Anpassungsstrategien an eine alternde und rückläufige Bevölkerung auseinanderzusetzen und aufgrund von eingeschränkten finanziellen Handlungsspielräumen innovative Lösungsansätze zu finden. Regionale und interkommunale Kooperationen erfahren dabei angesichts eines veränderten räumlichen Steuerungs- und Planungsverständnisses eine wachsende Bedeutung in der kommunalen Praxis und stehen als geeignete Strategien im Fokus des Leitbildes„Daseinsvorsorge sichern“ für die Raumentwicklung in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund analysiert die vorliegende Arbeit am Beispiel der Region Hesselberg in Bayern die bestehenden Strukturen regionaler und interkommunaler Kooperation in der Daseinsvorsorge und zeigt Potentiale kommunaler Kooperationsinitiativen als erweiterungsfähige Handlungsressource zur Sicherung und Gestaltung der Daseinsvorsorge auf. Hierzu wurde eine schriftliche Erhebung unter den 26 Kommunen der Region Hesselberg durchgeführt, die den gegenwärtigen Stand zu praktizierten Handlungsfeldern,Zielen und angewandten Formen in der Daseinsvorsorge erfasst. Darüber hinaus erfolgt einevertiefende Betrachtung von Kooperationsansätzen ausgewählter Kommunen hinsichtlich Art, Intensität und räumlicher Ausprägung der Zusammenarbeit. Es wird den Fragen nachgegangen, welche Handlungsmotive der gemeind übergreifenden Zusammenarbeit zugrunde liegen und welche Erfahrungen die kommunalen Akteure in Bezug auf Mehrwert,Hemmnisse und Erfolgsfaktoren prägen. Im Blickfeld steht dabei auch, welche Funktion die regionale Entwicklungsinitiative der Region Hesselberg zur Schaffung zweckmäßige rStrukturen in der Daseinsvorsorge einnimmt und welche Rolle den überörtlichen Steuerungs und Planungsebenen im Hinblick auf die Kooperationsaktivitäten zukommt.

Im Ergebnis wird deutlich, dass sich eine regionsspezifische „Kooperationskultur“ unter dem Dach der Region Hesselberg herausgebildet hat und die gemeindeübergreifende Aufgabenwahrnehmung in der Daseinsvorsorge als geeignete Defensiv- und Offensivstrategie zur Bewältigung der Herausforderungen im demographischen Wandel gilt. Dennoch zeigt sich, dass vielerorts noch ein kirchturmpolitisches Handeln vorherrscht und die Potentiale zur Sicherung und Gestaltung der Daseinsvorsorge bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Mit Blick auf den Handlungsbedarf im demographischen Wandelbestehen im regionsweiten Vergleich vorrangig in den südlichen, peripher gelegenen Kommunen erhöhte Kooperationsausbaupotentiale. Inhaltlich betrachtet liegen Potentiale einer erweiterten gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit insbesondere in der Entwicklung neuer Angebotsformen der sozialen Infrastrukturversorgung, wobei Kooperationen nicht nur zur Sicherstellung, sondern v.a. auch im Interesse einer qualitativen Verbesserung des Leistungsangebotes anzustreben sind. Handlungsempfehlungen zur Inwertsetzung der Kooperationspotentiale richten sich an überörtliche Steuerungs- und Planungsebenen, die mit der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen und Anreize zur Förderung der Kooperationsbereitschaft beitragen. Weitere Handlungsansätze liegen in der Erarbeitung einer Regionalstrategie Daseinsvorsorge, dem strategischen Einsatz des Regionalmanagements als „Dienstleister für die Region“ und der Bewusstseinsbildung in den Kommunen zur erfolgreichen Initiierung und Ausgestaltung interkommunaler Kooperationsprozesse in der Daseinsvorsorge.

ISSN 1869-3814
Seitenzahl: 165

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