Band 18: Nachhaltige ÖV-orientierte Siedlungsentwicklung an Stadtbahntrassen – Untersuchung am Beispiel der Stadt-Umland-Bahn Nürnberg – Erlangen – Herzogenaurach

AzR

Arbeitspapiere zur Regionalentwicklung – Elektronische Schriftenreihe des Lehrstuhls Regionalentwicklung und Raumordnung (E-Paper) – Band 18

Nadine Kießling
Nachhaltige ÖV-orientierte Siedlungsentwicklung an Stadtbahntrassen

Untersuchung am Beispiel der Stadt-Umland-Bahn Nürnberg-Erlangen-Herzogenaurach

In vielen Städten finden derzeit Neu- und Ausbaumaßnahmen bei Straßen-, Stadt- und S-Bahnen statt. Das Ziel einer umweltfreundlichen Mobilität, der Prozess der Reurbanisierung sowie innerstädtische Verkehrsbelastungen fördern diese Entwicklung. Aufgrund dieser „Renaissance“ schienengebundener Verkehrsmittel sowie der Interdependenz von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung hat sich das Prinzip einer ÖV-orientierten Siedlungsentwicklung herausgebildet.

Eine Untersuchung ausgewählter Anwendungsbeispiele verdeutlicht, dass eine ex-ante-Erschließung mit dem schienengebundenen ÖPNV vorteilhafter ist als die in Vorschriften und Gesetzestexten häufig geforderte ex-post-Erschließung. Das Ziel einer Konzentration der Siedlungsentwicklung an Haltestelleneinzugsbereiche fördert Maßnahmen der Innenentwicklung. Aufgrund einer wachsenden multimodalen Bevölkerung erweitern sich Haltestelleneinzugsbereiche durch die Kombination des schienengebundenen ÖPNV mit Zubringerverkehrsmitteln (Fahrrad, Bus).

In diesem Kontext stellt die Stadt-Umland-Bahn Nürnberg – Erlangen – Herzogenaurach (StUB) in Bayern ein großes Neubauprojekt dar. Die geplante Regionalstadtbahn könnte ab 2027 auf 25 km Strecke Nürnberg mit der Universitätsstadt Erlangen sowie dem wirtschaftsstarken Herzogenaurach verbinden. Diese Arbeit analysiert unter Anwendung einer Potenzial- und Nutzwertanalyse, in wie fern das Prinzip einer ÖV-orientierten Siedlungsentwicklung durch Konzentration zukünftiger Wohnnutzungen auf Haltestelleneinzugsbereiche der StUB umgesetzt werden kann und welche Steuerungsmöglichkeiten damit verbunden sind. Gemeinsam ist den drei an der
geplanten StUB liegenden Städten, dass der Wohnraumbedarf in Zukunft steigen wird. In Nürnberg durchquert die geplante StUB-Trasse das Knoblauchsland, Gemüseanbaugebiet und Erholungsraum, sowie Stadtteile mit dörflichem Charakter. In Erlangen dient die StUB als Instrument zur Förderung von Maßnahmen der Nachverdichtung und zur Siedlungsentwicklung am westlichen Stadtrand. In Herzogenaurach bietet das Konversionsgebiet Herzo Base großes Potenzial und wird ergänzt durch Baulücken sowie ein mögliches neues Stadtzentrum mit Stadthalle.

Es kann festgestellt werden, dass viele Potenzialflächen auch ohne die Erschließung mit der StUB aufgrund des Wohnungsdrucks früher oder später einer Entwicklung zugeführt werden würden. Doch durch die StUB erhält diese Entwicklung eine neue Dynamik. Der Prozess der Siedlungstätigkeit wird rascher voranschreiten, zu höheren baulichen Dichten führen und aufgrund der zu erwartenden Bodenpreissteigerungen wird die Innenentwicklung beschleunigt. Im Extremfall kann die StUB dazu führen, dass sich der siedlungsstrukturelle Charakter ändert und zur Inanspruchnahme wertvoller Ackerböden führt. Eine gezielte Steuerung ist daher unabdinglich. Auf kommunaler Ebene sollte eine höhere bauliche Dichte im Zweifelsfall Vorrang vor einer Flächenneuinanspruchnahme erhalten. Durch interkommunale Kooperation kann die Siedlungsentwicklung aufeinander abgestimmt und durch Partizipation Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen werden. Auf Ebene der Raumordnung sind eine Fortschreibung des Regionalplans in den Bereichen Siedlung und Verkehr sowie eine verstärkte instrumentelle Ausrichtung wünschenswert.

Die StUB wird ein bedeutendes Rückgrat für die zukünftige Siedlungsentwicklung in der Metropolregion Nürnberg darstellen. Wenn die Ziele einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung konsequent beachtet werden, kann die StUB für eine nachhaltigen Wohnraumschaffung unter dem Prinzip einer ÖV-orientierten Siedlungsentwicklung einen großen Beitrag leisten.

ISSN 1869-3814
Seitenzahl: 152

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