Das Konzept der Europäischen Metropolregionen in Deutschland

Die Bedeutung seiner Umsetzung für die regionale und kommunale Entwicklung am Beispiel der Metropolregionen Hamburg und Nürnberg

Städte und Regionen stehen vor den Herausforderungen einer wachsenden internationalen Standortkonkurrenz, die zu einem steigenden Wettbewerb führt. In diesem Wettbewerb haben Großstädte und Großstadtregionen eine ökonomische Schlüsselstellung inne, was in unterschiedlichen Forschungsansätzen weltweit untersucht wurde. Aufbauend auf diesen Metropolenforschungsansätzen und vor dem Hintergrund der Bedeutung von deutschen Großstadtregionen für die Raumentwicklung hat die deutsche Bundesraumordnung angestrebt, mit Hilfe eines strategischen Leitbildes – dem Konzept der Europäischen Metropolregionen – die bestehenden Agglomerationen in ihrer internationalen Ausstrahlung zu stärken. Das Konzept wurde in Deutschland auf Bundesebene im Raumordnungspolitischen Handlungsrahmen im Jahr 1995 erstmals dargestellt sowie in den im Jahr 2006 verabschiedeten Leitbildern und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland gefestigt. Metropolregionen werden als „Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung [gesehen, deren] herausragende Funktionen im internationalen Maßstab über die nationalen Grenzen hinweg ausstrahlen.“[1] Aufgrund der in ihnen gebündelten europäisch und global bedeutsamen Steuerungs- und Kontrollfunktionen, Innovations- und Wachstumsfunktionen, Gateway- und Symbolfunktionen wird den Metropolregionen eine hervorgehobenen Bedeutung für die Raumentwicklung im Hinblick auf Wachstum und Innovation zugewiesen. Insgesamt werden elf Metropolregionen von der Bundesraumordnung identifiziert und ausgewiesen: Berlin/Brandenburg, Bremen/Oldenburg, Hamburg, Hannover-Braunschweig-Göttingen, München, Nürnberg, Rhein-Main, Rhein-Neckar, Rhein-Ruhr, das Sachsendreieck und Stuttgart.

Aufgrund der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ergibt sich für die nachfolgenden Planungsinstanzen aus diesen Leitbildern keine verbindliche Darstellungs- und Fortführungspflicht sowie für die Akteure vor Ort keine Umsetzungspflicht. Dessen ungeachtet haben sich in Deutschland die Metropolregionen mit verschiedenen Organisationsformen, Aufgabenstellungen und Akteurskonstellationen unter Verwendung dieses „Labels“ gebildet. Da das Konzept der Bundesraumordnung keine räumliche Abgrenzung der Metropolregionen beinhaltet, sind diese selbst gefordert sowohl ein Selbstverständnis zu entwickeln als auch eine räumliche Abgrenzung festzulegen.

Demnach stellt sich die Implementation des Konzepts der Metropolregionen in Deutschland in den elf Metropolregionen inhaltlich, strukturell und organisatorisch unterschiedlich dar. Es zeigt sich bei fast allen Metropolregionen, dass diese nicht nur aus dem oder den ökonomisch besonders starken Zentrum bzw. Zentren bestehen, sondern aufgrund ihrer weiträumigen Abgrenzung auch ländliche und strukturschwache Räume mit einschließen. In den sich teilweise neu konstituierenden, teilweise auf der Basis bestehender regionaler Kooperationen weiterentwickelnden Metropolregionen bilden und stärken sich im Zuge der Implementation des Konzepts regionale Netzwerke zwischen politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren mit dem Ziel die Region als Motor der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung weiterzuentwickeln. Welche Instrumente und Ansätze dazu gewählt und wie Schwerpunkte gesetzt werden stellt sich heterogen dar.

Vor diesem Hintergrund analysiert die Arbeit die Implementation des raumordnungspolitischen Konzepts der Europäischen Metropolregionen in Deutschland und nimmt eine Bewertung der Bedeutung dieses Konzeptes für die regionale und kommunale Entwicklung der Metropolregionen vor. Die Analyse erfolgt anhand der Metropolregionen Hamburg und Nürnberg. Der Fokus liegt auf der Analyse der entstandenen regionalen Netzwerk- und Kooperations- bzw. Steuerungsstrukturen, die unterschiedliche regionale Akteure einbeziehen. Aus den Ergebnissen werden Handlungsansätze für die weitere Arbeit der Metropolregionen erarbeitet und zur Diskussion gestellt, die geeignet erscheinen die regionale Entwicklung der Metropolregionen sowie deren internationale Bedeutung und Ausstrahlung zu befördern.

In der Metropolregion Hamburg hat sich eine bestehende Verwaltungskooperation der drei Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein schrittweise zu einer strategischen Zusammenarbeit weiterentwickelt, die eine Internationalisierungsstrategie für die gesamte Metropolregion verfolgt. In der monozentrischen Metropolregion ist die Stadt Hamburg das dominierende Zentrum und bedeutend für die Entwicklung der gesamten Region. Aufgrund der Entwicklung der Zusammenarbeit aus der Verwaltungskooperation der drei Bundesländer heraus, sind die Gremien und offiziellen Strukturen von administrativen und politischen Vertretern geprägt, wohingegen Akteure aus der Wirtschaft kaum eingebunden sind. Regionale Netzwerke, die unterschiedliche Akteursgruppen einbeziehen, existieren überwiegend außerhalb der eigentlichen Strukturen der Metropolregion Hamburg und haben einen anderen räumlichen Zuschnitt als diese.

In Nürnberg hat sich im Anschluss an die Bewerbung um die Anerkennung als Metropolregion im Jahr 2005 eine eigene und neue Struktur der regionalen Zusammenarbeit mit dem zentralen Ziel der Steigerung der internationalen Sichtbarkeit der gesamten Region entwickelt. Die Metropolregion Nürnberg ist in schlanken Netzwerkstrukturen organisiert, die Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft einbeziehen, wobei die Entscheidungen von einem Rat der Metropolregion beschlossen werden, der sich aus gewählten politischen Vertretern aus den Gemeinden, Landkreisen und kreisfreien Städten zusammensetzt (demokratische Legitimation).

Aufbauend auf der Analyse der Ausgangssituation beider Metropolregionen, ihrer Strukturen der regionalen Zusammenarbeit, ihren Zielsetzungen, der Projektarbeit sowie der Arbeit der regionalen Netzwerke werden Handlungsempfehlungen für vier Bereiche erarbeitet bzw. zur Diskussion gestellt:

  • die Auseinandersetzung mit der Frage der räumlichen „Grenzziehung“ bzw. der variablen Geometrie und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Projektarbeit,
  • die Weiterentwicklung der bestehenden Netzwerke bzw. der Möglichkeiten die Strukturen für die regionale und kommunale Entwicklung stärker in Wert zu setzen,
  • die Formulierung strategischer Anforderungen an die Projektarbeit und die Diskussion möglicher Projekte sowie
  • die Darstellung von Anforderungen für die langfristige Implementation des Konzepts – insbesondere mit Blick auf die „jüngere“ Metropolregion Nürnberg.

Darüber hinaus werden Erfolgsfaktoren und Hemmnisse der beiden Regionen abgeleitet, die für die Entwicklung anderer deutscher Metropolregionen als Orientierung dienen können. Dazu gehören sowohl fachlich-inhaltliche Aspekte als auch organisatorische und auf die Strukturen der Zusammenarbeit bezogene Faktoren. Als bedeutende Erfolgsfaktoren können beispielsweise flexible und transparente Netzwerkstrukturen sowie ein eindeutiges Bekenntnis der kommunalen Akteure zur metropolregionalen Zusammenarbeit (Nürnberg) oder auch das Vorhandensein spezifischer Förderfonds für die Umsetzung von metropolregionalen Projekten und eine personell und finanziell sehr gut ausgestattete Geschäftsstelle (Hamburg) festgestellt werden. Risiken bestehen insbesondere im Hinblick auf vielfältige Erwartungshaltungen und Interessenskonstellationen aufgrund heterogener Raumstrukturen und Akteursgruppen sowie in einer Dominanz von Strukturdiskussionen zu Lasten von Projektarbeit.

[1] Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Hrsg.) (1995): Raumordnungspolitischer Handlungsrahmen. Beschluß der Ministerkonferenz für Raumordnung am 8. März 1995, S.27.

Die Arbeit wurde 2011 online durch die Unibibliothek der TU Kaiserslautern unter folgenden Link veröffentlicht: http://kluedo.ub.uni-kl.de/volltexte/2011/2617/pdf/Grotheer_2011.pdf

Ansprechpartner

Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß
Dipl.-Ing. Swantje Grotheer

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