Arbeitspapiere zur Regionalentwicklung – Elektronische Schriftenreihe des Lehrstuhls Regionalentwicklung und Raumordnung (E-Paper) – Band 7
Marcel-Alexander Gärtner
Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Hochschullandschaft in Deutschland
Die Auswirkungen des demographischen Wandels werden in Zukunft auch das deutsche Hochschulsystem betreffen. In Abhängigkeit von der Zahl der Abiturienten und ihrer Studienneigung werden sich die Neueinschreibungen an deutschen Universitäten und Fachhochschulen bereits kurzfristig erheblich verändern.
In Westdeutschland wird in den nächsten Jahren zunächst ein „Ansturm“ der geburtenstarken Jahrgänge auf die Hochschulen stattfinden. Hier werden von 2007 bis 2011 die Kinder der geburtenstarken Altersjahrgänge zwischen 1955 und 1965 (sogenannte Baby-Boomer) ihre Studienberechtigungen erwerben, so dass in diesem Zeitraum ein demographisches Echo in Form hoher Studienberechtigtenzahlen erwartet wird. Gegensätzlich werden sich die Abiturientenzahlen in Ostdeutschland entwickeln. In Folge des drastischen Geburtenrückgangs nach der Wiedervereinigung resultiert hier ab 2007 bis 2014 ein erheblicher Rückgang der Studienberechtigtenzahlen. Mit wenigen Ausnahmen wird die studentische Auslastung ostdeutscher Universitäten und Fachhochschulen zurückgehen.
Langfristig wird sich aber auch in Westdeutschland die Altersgruppe, in der Studienberechtigungen erworben werden, verringern. Spätestens nach dem Abebben des demographischen Echos auf die Baby-Boomer der 1960er Jahre, d. h. etwa ab dem Ende der jetzigen Dekade, wird die Zahl der Abiturienten stetig abnehmen. Nicht nur in Ostdeutschland sondern auch in Westdeutschland wird dann die Nachfrage nach Studienplätzen an Universitäten und Fachhochschulen dauerhaft sinken. Zumindest, wenn es nicht gelingt die Studienquote deutlich zu erhöhen und mehr Studierende aus dem Ausland anzuziehen.
In der vorliegenden Diplomarbeit werden, auf Basis der Bevölkerungsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung bis zum Jahr 2025, die Folgen der Entwicklung der Studienanfängerzahlen, der Studierendenzahlen und der Studienplatzkapazitätsauslastungen für Universitäten und Fachhochschulen abgeschätzt. Dabei wird ein erheblich kleinräumigerer Abschätzungsansatz gewählt, als er den Prognosen des Centrums für Hochschulentwicklung und der Kultusministerkonferenz zugrunde liegt. Die bisherigen (Stand Juli 2009) Untersuchungen und Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der Studienanfängerzahlen und Studierendenzahlen der Hochschulen wurden ausschließlich auf der Ebene einzelner Bundesländer oder für die gesamte Bundesrepublik durchgeführt. In dieser Arbeit wird hingegen die demographische Entwicklung im Einzugsraum jedes einzelnen Hochschulstandortes untersucht und damit die individuelle demographische Betroffenheit der einzelnen Universität oder Fachhochschule identifiziert.
Die Diplomarbeit baut auf dem Untersuchungsansatz von Nutz (1991) auf. Danach hängt die Auslastung der Universitäten und Fachhochschulen, bedingt durch das unterschiedliche demographische Potential ihrer Einzugsräume, maßgeblich von der demographischen Entwicklung in den Herkunftsgebieten ihrer Studierenden ab. Daten des Statistischen Bundesamtes, die zwischen dem Ort unterscheiden, an dem eine Hochschulzugangsberechtigung erworben wurde und dem Ort, an dem ein Erststudium begonnen wurde, ermöglichen eine Abgrenzung der Einzugsräume einzelner Universitäten und Fachhochschulen. Durch eine Verflechtungsanalyse kann für einzelne Semester ermittelt werden, wie viel Prozent der Studienanfänger ihre Hochschulzugangsberechtigung im engeren oder weiteren regionalen Nahbereich erworben haben oder aus Kreisen bzw. kreisfreien Städten der Nachbarländer zugewandert sind. Legt man das Wahlverhalten der Vergangenheit als Trend auch dem zukünftigen Wahlverhalten des Studienortes zugrunde – eine hochplausible Annahme, da die überwiegende Zahl der Studienberechtigten traditionell den räumlich nächsten Studienort bevorzugt – dann kann aus den Ergebnissen der Raumordnungsprognose abgeleitet werden, wie sich die Zahl der Studienanfänger und der Studierenden der einzelnen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland bis 2028 entwickeln wird.
ISSN 1869-3814
Seitenzahl: 221