Handlungsansätze zur Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung in strukturschwachen Regionen – das Konzept „Let´s Go Oberfranken“

Auftraggeber
Forum Zukunft Oberfranken e. V.

Laufzeit
??/200? – ??/200?

Projektbeschreibung

Die Entwicklung der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland sowie in einzelnen Regionen gibt derzeit Anlass zur breiten Diskussion in Wissenschaft und Praxis. Neben den Wirkungen des demographischen Wandels auf das Sozialsystem, die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt ist die Überalterung der Bevölkerung sowie die Abwanderung von jungen, dynamischen, gut ausgebildeten Bevölkerungsgruppen insbesondere in strukturschwachen Regionen aus regional- und kommunalwissenschaftlicher Sicht ein Thema mit besonderer Aktualität und Brisanz.

Abb. 1: Lage der Region Oberfranken
Quelle: www.middle-of-europe.de

Am Beispiel von Oberfranken, einer strukturschwachen Region im Norden Bayerns, erarbeitete Dipl.-Geogr. Markus Schöfer vom Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung der Technischen Universität Kaiserslautern, unter Leitung von Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß, im Auftrag einer regionalen Entwicklungsinitiative („Forum Zukunft Oberfranken e.V.“) ein praxisorientiertes Handlungskonzept, welches die Abwanderung der Bevölkerung aus Oberfranken verringern und einen Zuzug von ausgewählten Bevölkerungsgruppen fördern soll. Dieses praxisnahe, auf Handlungsstrategien abstellendes Konzept stellt bislang bundes- und bayernweit eine einmalige Initiative dar. Der Untersuchung liegen zwei wesentlichen Fragestellungen zugrunde

  1. Auf welche Weise kann die Abwanderung, insbesondere junger, gut ausgebildeter Bevölkerungsgruppen verringert und/oder verhindert werden?
  2. Auf welche Weise kann es gelingen, neue Bevölkerungsgruppen in Gestalt von Zuwanderung zu gewinnen?
Abb. 2: Bausteine des Handlungskonzepts
Quelle: Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung, Kaiserslautern

Das methodische Konzept der Untersuchung sah zum einen die Literatur- und Dokumentenanalyse vor. Zum anderen waren aufgrund der unzureichenden Datenverfügbarkeit und -qualität eigene empirische Erhebungen (mündliche und schriftliche Befragungen) des Lehrstuhles Regionalentwicklung und Raumordnung der Technischen Universität Kaiserslautern notwendig. Im Rahmen der Untersuchung wurden 2000 aus Oberfranken abgewanderte Personen in ihren neuen Wohnstandorten über die Motive der Abwanderung befragt. Ferner wurden alle Bürgermeister des Regierungsbezirks sowie die Vorstände der 50 größten oberfränkischen Unternehmen und 20 weitere regionale Entscheidungsträger (Hauptgeschäftsführer von Kammern, Regierungspräsident, Bezirkstagspräsident u.a.) in schriftliche und mündliche Befragungen einbezogen, mit dem Ziel darzustellen, ob und in welcher Hinsicht die Entwicklung der Gesamt- und Erwerbsbevölkerung als Handlungsfeld erkannt wird und welche Strategien bereits derzeit ergriffen werden um dem demographischen Wandel zu begegnen.

Wichtige Ergebnisse

Der Regierungsbezirk Oberfranken nimmt in demographischer Hinsicht bayernweit eine Sonderstellung ein. Im Vergleich zu allen anderen bayerischen Regierungsbezirken hat die Bevölkerung in Oberfranken in den Jahren 1989 bis 2000 am geringsten zugenommen. Gründe hierfür waren zum Teil oberfrankenweit beträchtliche Sterbeüberschüsse und in manchen Kommunen deutliche Wanderungsverluste. Ein weiterer zu beobachtender Trend ist die zunehmende Überalterung großer Teile der oberfränkischen Bevölkerung, als Ergebnis v.a. von selektiven Wanderungsvorgängen und Geburtenzahlen auf niedrigem Niveau. Zukunftsprognosen weisen in eine ähnliche Richtung.

Eine abnehmende („schrumpfende“) sowie immer älter werdende Bevölkerung führt zu vielfältigen Wirkungen in unterschiedlichen Bereichen. Auf kommunaler bzw. regionaler Ebene geht eine abnehmende Bevölkerung beispielsweise einher mit sinkenden Steuereinnahmen für die Kommunen oder mit einer Kaufkraftabnahme im Einzelhandel. Darüber hinaus wirken sich rückläufige Bevölkerungszahlen auch auf die Auslastung von Infrastruktureinrichtungen (Krankenhäuser, Schulen etc.) sowie auf die Inanspruchnahme öffentlicher Dienste (Verwaltung, Rettungsdienst etc.) aus. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Qualität der Bevölkerungsveränderung, d.h. welche Bevölkerungsgruppen anteilsmäßig an der Gesamtbevölkerung zu- bzw. abnehmen. Für Oberfranken konnte nachgewiesen werden, dass überwiegend junge, gut ausgebildete Bevölkerungsgruppen aus dem Regierungsbezirk abwanderten. Dies wiederum führt zu einem bereits derzeit zu beobachtenden Fachkräftemangel in manchen Branchen der oberfränkischen Wirtschaft und damit einhergehend auch zu einer Einschränkung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der betroffenen Unternehmen. Anteilsmäßig zugenommen haben in Oberfranken – dem deutschen Trend folgend – ältere Bevölkerungsgruppen. Die Inanspruchnahme von Einrichtungen und Dienstleistungen für Senioren (Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime etc.) hat daher kontinuierlich zugenommen und oftmals zu einer stärkeren Belastung öffentlicher Haushalte geführt.

Es war daher notwendig Strategien und Maßnahmen zielgruppenspezifisch zu differenzieren. Wichtige Partner für die Umsetzung dieses Handlungskonzeptes sind politische Entscheidungsträger auf regionaler und kommunaler Ebene (z.B. Bürgermeister, Landräte), oberfränkische Unternehmen sowie Bildungseinrichtungen (Universitäten, Fachhochschulen), Kammern und Verbände.

Was konkrete Maßnahmenvorschläge betrifft, so reichen diese von Bauland- und Wohnungsbauprogrammen, über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen (z.B. Pilotprogramme für Karriereplanung in Unternehmen und Behörden), über Empfehlungen im Bereich der familienorientierten und single-orientierte Infrastrukturpolitik auf kommunaler und regionaler Ebene, Maßnahmen im Bereich der kommunalen Wirtschaftspolitik (z.B. verstärkte Förderung von Existenzgründungen oder Outsourcing-Unternehmen) bis hin zu einer Verstärkung des Regional- und Standortmarketings zum Erhalt bereits vorhandener bzw. zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Präsentation der „weichen“ Standortfaktoren Oberfrankens nach außen, insbesondere die Faktoren, Wohnwert, Lebens- und Umweltqualitäten, Kulturwert Oberfrankens und andere mehr. Aufgrund der ermittelten hohen (potentiellen) Rückkehrwilligkeit vieler Weggezogener wird der Aufbau einer Kontakt- bzw. Kommunikationsagentur empfohlen. Diese soll zu bereits abgewanderten Bevölkerungsgruppen Kontakt halten und diese mit wichtigen Informationen über Oberfranken versorgen. Im Mittelpunkt steht dabei der Informationstransfer über geeignete Arbeitsplätze. Angedacht werden ferner Strategien zur Entwicklung Oberfrankens als familienfreundlichster Regierungsbezirk in Bayern (z.B. die Förderung der Ausweisung familien- und seniorengerechte Wohngebiete – „Generationendorf“).

Ansprechpartner

Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß

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