Untersuchung der Struktur, Entwicklung und Perspektiven des Fremdenverkehrs so-wie des Einzelhandels in der Sickingenstadt Landstuhl und der Verbandsgemeinde Landstuhl unter besonderer Berücksichtigung der U.S. Militärpräsenz

Auftraggeber
Stadt und Verbandsgemeinde Landstuhl

Laufzeit
04/2002 – 07/2002

Projektbeschreibung

Im Frühsommer 2002 untersuchte der Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung im Auftrag der Stadt und Verbandsgemeinde Landstuhl in zwei zeitlich getrennten, aber inhaltlich eng aufeinander abgestimmten Teilgutachten die bestehenden Strukturen, die Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Perspektiven des Fremdenverkehrs und des Einzelhandels in der Sickingenstadt Landstuhl.

Abb. 1: Zentraler Marktplatz in Landstuhl
Quelle: Verbandsgemeinde Landstuhl

In der Untersuchung wurden auch die Aspekte der bestehenden U.S. Militärpräsenz in der Region mitberücksichtigt. Denn im Rahmen des „Gutachtens zu den Wirkungen der Verlage-rung der Rhein-Main Air Base von Frankfurt am Main nach Ramstein und Spangdahlem“ im Auftrag des Ministeriums des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz, das ebenfalls vom Lehrstuhl durchgeführt wurde, hatte sich herausgestellt, dass sowohl das Einzelhandelsgeschäft mit den U.S. Amerikanern, als auch die wesentlichen Umsätze im Bereich des Fremdenverkehrs sich vor allem auf die Städte Landstuhl und Kaiserslautern konzentrieren. Hierzu sollten noch detailliertere Betrachtungen mit der räumlichen Schwerpunktsetzung auf das Mittelzentrum Landstuhl durchgeführt werden. Die Potenzialanalyse des Fremdenverkehrs- und Einzelhandelsstandortes Ramstein erfolgte durch ein siebenköpfiges Bearbeiterteam unter Leitung von Frau Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß. Neben Herrn Akad. Oberrat Dr.-Ing. Hans-Jörg Domhardt und Frau Dipl.-Ing. Kirstin Weber, umfasste das Team die Studierenden Matthias Zürker, Christian Günster, Sebastian Hofherr, Lydia Schulz und Ingrid Stuhlträger.

Die Zielsetzung der Studie lag neben der Analyse der bestehenden Fremdenverkehrs- und Einzelhandelsstrukturen – unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung der U.S. Amerikaner – vor allem darin, Handlungsempfehlungen und konkrete Maßnahmenvorschläge an verschiedene Adressaten zur zielgerichteten Steuerung der zukünftigen Entwicklung in beiden Teilbereichen zu erarbeiten.

Abb. 2: Landstuhls Einkaufsmeile Kaiserstraße
Quelle: Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung

Vorgehensweise der Untersuchung

Zur Untersuchung der Fremdenverkehrs- und Einzelhandelsqualität der Sickingenstadt Landstuhl wurde Wert darauf gelegt, sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite empirisch zu erfassen. Daher erfolgten neben der direkten Bestandsanalyse vor Ort, mündliche Befragungen der Betriebe der Hotellerie, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sowie ausgewählter Einzelhandelsbranchen. Um auch der Erfassung der Nachfragerseite Rechnung zu tragen, führte das Bearbeiterteam zusätzlich eine Passantenbefragung durch. Im Rahmen der Teiluntersuchungen Einzelhandel wurden so mehr als 100 Einzelhandelsbetriebe und mehr als 150 Passanten an ausgewählten Standorten in der Stadt Landstuhl mündlich befragt.

Wesentliche Ergebnisse der Studie

Aufgrund der repräsentativen Ergebnisse konnten anschließend fundierte Beurteilungen der Sickingenstadt als Fremdenverkehrs- und Einzelhandelsstandort vorgenommen werden. Hierauf aufbauend wurden erste Handlungsempfehlungen und Maßnahmenvorschläge abgeleitet. Obwohl sich die jeweiligen Empfehlungen für beide Teilbereiche in ihren spezifischen Zielrichtungen voneinander unterscheiden, sind doch eine Vielzahl von engen Verknüpfungen zwischen beiden Aufgabenbereichen v.a. im strategischen Ansatz zu sehen.

Abb. 3: Franz von Sickingen
Quelle: Verbandsgemeinde Landstuhl

Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Einzelhandels in der Sickingenstadt Landstuhl konnten folgende Handlungsempfehlungen formuliert werden:

Aufwertung des Innenstadtbereiches von Landstuhl als Einzelhandelszentrum
Es müssen zukünftig verstärkt Anstrengungen unternommen werden, um das Zentrum der Sickingenstadt Landstuhl für den Einzelhandel attraktiv zu halten. Hierzu ist insbesondere die Neuordnung des Straßenverkehrs im Zentrum (einschließlich des ruhenden Verkehrs) zu verbessern. Diese muss sowohl dem Einkauf- und Lieferverkehr gerecht werden, als auch den Einkaufenden ein angenehmeres Einkaufserlebnis garantieren.

Harmonisierung von Öffnungszeiten
Ein zentraler Kritikpunkt seitens der Kunden waren die bis dato nicht aufeinander abgestimmten Öffnungszeiten der einzelnen Geschäfte. In diesem Bereich sollten sich die Einzelhandelsbetriebe kurzfristig auf sogenannte „Kernzeiten“ einigen.

Städtische Events mit Zielrichtung Einzelhandel
Neben den bereits genannten Ansätzen zur Aufwertung des Innenstadtbereichs von Landstuhl sind die besonderen Potenziale von Landstuhl besser herauszustellen. Diese Vorzüge sind zukünftig effektiver zu vermarkten.

Einrichtung eines „runden Tisches“ zwischen Stadt, Einzelhandelsbetrieben, Fördergemeinschaft, Gastronomie und Hotellerie. Die bereits bestehenden Organisationsformen von Einzelhandel und Fremdenverkehr sollten zukünftig enger zusammenarbeiten um mögliche positive Synergieeffekte frühzeitig erkennen und ausnutzen zu können.

Spezifische Kundenoffensive in Richtung Amerikaner
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass der Anteil der U.S. Amerikaner an den Umsätzen im Einzelhandel noch sehr gering ist. Hier sollten Anstrengungen unternommen werden, die Erschließung dieses Kundenpotenzials zu verbessern.

Zur Entwicklung des Fremdenverkehrsstandortes

  1. Zum Einen die Intensivierung und den zielgerichteten Aufbau amerikanischer Potentiale als Rückgrat der Wirtschaftsstruktur.
  2. Zum Anderen die Stabilisierung vorhandener touristischer Potenziale und der strategische Aufbau einer mittel- bis langfristigen eigenständigen Tourismuskonzeption.

Hinsichtlich des ersten Teilbereiches wurden verschiedene Maßnahmenvorschläge unterbreitet; wie z. B. die direkte Ansprache der US Kundschaft durch gezielte Werbung in US amerikanischen Medien oder Einrichtungen, regelmäßiges Führungs- und Besichtigungsprogramm der Sehenswürdigkeiten in Sickingenland in englischer Sprache, Aufbau von Kapazitäten in den Segmenten „gehobene Küche“ und „pfälzische Spezialitäten“ in Verbindung mit der Klassifizierung von Gastronomiebetrieben, etc.

Die Stabilisierung vorhandener touristischer Potenziale und der strategische Aufbau einer mittel- bis langfristigen eigenständigen Tourismuskonzeption bilden den Schwerpunkt der zukünftigen Fremdenverkehrsentwicklung in der Sickingenstadt Landstuhl. Hierbei sollte nicht nur die Stadt in der Verantwortung sein, sondern zudem auch die anderen Akteure wie Touristikverein Kaiserslautern, Hotellerie- und Gaststättenverband sowie sonstige Interessenvertretungen zusammenwirken. Nach der Verständigung über einen Grundkonsens hinsichtlich der touristischen Entwicklung in Landstuhl steht die Erarbeitung eines Tourismuskonzeptes im Vordergrund. Hierzu sind dezidiert die Möglichkeiten von Maßnahmen sowohl der einzelnen Fremdenverkehrsunternehmen als auch der Stadt bzw. Verbandsgemeinde Landstuhl festzulegen. Erste konkrete Vorschläge hierzu werden in dieser Teiluntersuchung gemacht.

Zusammenfassend muss darauf hingearbeitet werden, dass die einzelnen Handlungsempfehlungen und Maßnahmenvorschläge als konzertierte Aktion von der Stadt Landstuhl, dem Landstuhler Einzelhandel und den Organisationen des Fremdenverkehrs in Landstuhl gemeinsam abgestimmt und durchgeführt werden. Als einer der ersten Schritte ist von daher eine Konzeption für ein offensives und effektives Stadtmarketing und Citymanagement (z.B. Gründung eines Vereins „Landstuhl Aktiv“) zu erarbeiten.

Die Ergebnisse der beiden Teiluntersuchungen sind in der Schriftenreihe Materialen zur Regionalentwicklung und Raumordnung des Lehrstuhls veröffentlicht. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse und die einzelnen Vorschläge mit der Fachöffentlichkeit in Landstuhl diskutiert werden.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß
Dr.-Ing. Hans-Jörg Domhardt

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Stadtregion Karlsruhe 2030 – Grenzen überwinden
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