Band 17: Regionalmanagement für die Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald – Konzeptionelle Ansätze zur akteurs- und organisationsbezogenen Ausgestaltung

AzR

Arbeitspapiere zur Regionalentwicklung – Elektronische Schriftenreihe des Lehrstuhls Regionalentwicklung und Raumordnung (E-Paper) – Band 17

Susanne Kabelitz
Regionalmanagement für die Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald – Konzeptionelle Ansätze zur akteurs- und organisationsbezogenen Ausgestaltung

Bei der Ausweisung von Nationalparken werden vermehrt Fragen der Regionalentwicklung diskutiert; Nationalparke gelten mithin als „Motor der Regionalentwicklung“. Damit die National-parke sich positiv auf die Entwicklung der Region auswirken können, bedarf es neuer Wege in der regionalen Zusammenarbeit. Im Rahmen des „Regional Governance“-Ansatzes ist Regionalmanagement ein geeignetes Koordinationsinstrument. Durch seine Kooperations-, Querschnitts-, sowie Umsetzungsorientierung können, unter Beachtung derfür Nationalparkregionen spezifischen Erfolgsfaktoren, Synergieeffekte zwischen Naturschutz und nachhaltiger Regionalentwicklung erreicht werden. Vor diesem Hintergrund wurden die Voraussetzungen für die akteurs- und organisationsbezogene Ausgestaltung eines Regionalmanagements für die Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald umfassend analysiert.

Für die Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald als periphere, strukturschwache Region stellt der Nationalpark eine Entwicklungschance dar. Während des Ausweisungsprozesses haben sich vielfältige Kooperationsbeziehungen gebildet bzw. verfestigt, sodass die Kooperationsbereitschaft in der Region als hoch eingeschätzt wird. Nichtsdestotrotz sind einer Reihe von Herausforderungen zu begegnen. Hierzu gehören die Regionsbildung sowie die Stärkung der regionalen Identität, die Vernetzung sowie die Koordination der relevanten Akteure und die Einrichtung einer geeigneten Organisationsform sowie deren Finanzierung zur langfristigen Ausrichtung des Regionalmanagements.

An ein Regionalmanagement werden hohe Anforderungen bzgl. der zu erfüllenden Funktionen und Aufgaben gestellt. Als dessen Arbeitsgrundlage ist demnach ein politisch legitimiertes, mit klaren Zielen und Aufgaben versehenes Entwicklungskonzept zu erstellen. Um einen Mehrwert für die nachhaltige Entwicklung der Nationalparkregion zu erhalten, ist die Vernetzung einer breiten Akteursbasis entscheidend. Hierbei sind aufgrund ihrer positiven Kooperationserfahrung die bestehenden regionalen Zusammenschlüsse, bspw. die LEADER-Regionen sowie der Naturpark Saar-Hunsrück, zu integrieren. Auch neue Akteure in der Region, wie das Nationalparkamt sowie der Freundeskreis Nationalpark Hunsrücke.V., sind einzubinden. Des Weiteren ist die Mitarbeit privater Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Natur und Umwelt, Soziales sowie Zivilgesellschaft für ein querschnittsorientiertes und in der Gesellschaft verankertes Regionalmanagement zwingend notwendig. Für die dauerhafte Institutionalisierung des Regionalmanagements wird im Anschluss an diemomentane Starterphase ein zweistufiges Verfahren vorgeschlagen:

Konsolidierungsphase: Gründung eines Regionalvereins durch die Gebietskörperschaften und Bildung eines Regionalmanagementausschusses zum Austausch und zur Koordination der Aktivitäten der verschiedenen Akteursgruppen.
Professionalisierungsphase: Integration der LAG Erbeskopf in den Regionalverein und Zusammenschluss der Gebietskörperschaften zu einer Entwicklungsgesellschaft, die als schlagkräftige, operative Arbeits- und Koordinationsebene (Geschäftsstelle) dient.

Die skizzierten Phasen sind nicht als abschließende Schritte zu verstehen, da eine kontinuierliche Anpassung der akteurs- und organisationsbezogenen Ausgestaltung des Regionalmanagements an die Rahmenbedingungen stattfinden muss. Vielmehr werden durch die gewählte Organisationsform mit der angegliederten Geschäftsstelle die strukturellen Rahmenbedingungen geschaffen, in denen das Regionalmanagement die notwendigen Veränderungsprozesse, im Sinne einer lernenden Region, professionell begleiten kann. Dafür benötigt das Regionalmanagement eine solide Finanzierungsbasis ausregionalen sowie staatlichen Mitteln, die tlw. als Dienstleister selbst erwirtschaftet bzw. eingeworben werden können.

ISSN 1869-3814
Seitenzahl: 177

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